Auch mit großem Altersunterschied eine gute Verbindung: die Obergasse 26–28
Die Nummer 26 gilt als echtes Urgestein. Mehr als 500 Jahre alt, gehört sie zu den ältesten Häusern der Stadt. Einst war das Gebäude verschindelt, bis man in den 1970er-Jahren das alte Fachwerk freilegte – ein kunstvoll gearbeitetes Gefüge aus Balken, Bögen und Knaggen, das auf die Zeit um 1480 datiert wird. Die Sanierung erfolgte gerade noch rechtzeitig, denn der Giebel drohte bereits abzustürzen. Das Haus war abgesackt und schief, oder wie man hier sagt: richtig schön „schepp“.
Die Sanierungsarbeiten stellten eine echte Herausforderung dar: komplizierte Eigentumsverhältnisse, unterschiedliche Deckenhöhen und die Integration eines modernen Verkaufsraums im Erdgeschoss verlangten viel Fingerspitzengefühl. Zwei alte Gewölbekeller wurden freigelegt, Decken abgesenkt und eine tragende Stahlskelettkonstruktion eingebaut, um das Bauwerk zu stabilisieren.
Was die Nutzung des Hauses angeht, war Handel hier schon immer ein Thema: Früher wurde hier eines der ersten Reformhäuser in Alsfeld eröffnet. Später ergänzte ein Buchladen das Angebot.
Direkt daneben schließt sich die Obergasse 28 an, die mit ihren 200 bis 300 Jahren fast jugendlich wirkt. Ihre Fachwerkkonstruktion stammt aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, umgebaut wurde sie in den 1950er Jahren. Auch hier gab es einst einen Laden – der Handel hat also Tradition in dieser Ecke.
Seit vielen Jahrzehnten sind die beiden Häuser Heimat des Familienunternehmens Gertler – Augenoptikermeister, Juwelier und Uhrmacher – das heute bereits in der siebten Generation geführt wird. Zunächst wurde die Nummer 28 im Jahr 1948 erworben und saniert, 1973 folgte die Nummer 26. So wuchsen die beiden Gebäude auch historisch zu einer Einheit zusammen – verbunden durch Handwerkskunst, Präzision und Beständigkeit.

