Das Rathaus ohne Türmchen? Unvorstellbar!
Es ist weltweit bekannt und millionenfach fotografiert: Das Alsfelder Rathaus ist der Shootingstar schlechthin. Doch über zwei Jahrhunderte lang war das Wahrzeichen Alsfelds nackt – keine Türmchen zu sehen weit und breit. Alle Nachbildungen des bekannten Bauwerks tragen allerdings mit Stolz zwei Türmchen vorne und zwei Türmchen hinten und tragen zu einer kollektiven Erinnerung bei. Denn „eine Stadt ohne ihre baulichen Kulturdenkmale ist wie ein Mensch ohne Erinnerungen“ – ein Satz von Jochen Weppler und Matthias Nicola aus 2012, der wie gemacht ist für das Rathaus.
Die Initiativen zum Erhalt des Gebäudes zeigen, dass die Alsfelder an ihrem Rathaus hängen. Zwar beschloss der Gemeinderat 1878, das Rathaus abzureißen, doch die Provinz Oberhessen und eine Bürgerinitiative widersprachen und schafften es, den Bau zu erhalten und zu sanieren – mit viel ehrenamtlicher Arbeit sowie einem Spendenaufruf unter der Bevölkerung und den ansässigen Unternehmen. Zehn Jahre später begannen die umfangreichen Arbeiten: Die Arkaden wurden geöffnet, die Fassade saniert und die Türme auf der Seite zum Marktplatz kamen wieder auf ihren Platz. 1968 erhielt das Dach Richtung Kirchplatz durch Spenden aus der Bürgerschaft seine Türmchen wieder.
Ende der 1970er Jahre hätten die Türme und mit ihnen die beiden obersten Geschosse des Rathauses in Schutt und Asche liegen können: Ein Brandstifter trieb sein Unwesen und wollte mit dem Feuer von einem geplanten Kunstraub ablenken. Doch Feuerwehr, Polizei und aufmerksame Bürger verhinderten Schlimmeres: Der Brand konnte mit Pulverlöschern schnell gelöscht und der Täter fast ebenso schnell gefasst werden. So bietet das über 500 Jahre alte Rathaus auch heute noch modern-historische Arbeitsplätze für den Bürgermeister und sein Team sowie Sitzungssäle und ein Trauzimmer für standesamtliche Hochzeiten.
Ein besonderer Blick ins Innere
Doch nicht nur die Alsfelderinnen und Alsfelder sowie Touristen sind vom Rathaus fasziniert: Patrick Kosog war von Bildern und Zeichnungen des Gebäudes so angetan, dass er das Rathaus kurzerhand als Miniatur nachbaute – mit allen Räumen und Details, wie sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts bestanden. Die Besonderheit: Das Dach samt Türmchen lässt sich hochklappen und gibt den Blick frei auf die detailverliebte Ausgestaltung der Räume.
Das Mini-Rathaus ist in einer öffentlichen Ausstellung zu sehen. Die Vernissage findet am Freitag, 13. Juni 2025 um 14 Uhr statt. Danach kann bis Ende Juni die Miniatur montags bis freitags von 10 bis 16 Uhr bestaunt werden. An den Wochenenden bieten die offenen Stadtführungen (samstags um 11 Uhr, sonntags um 14 Uhr, 7 Euro) oder die speziellen Rathausbesichtigungen (samstags und sonntags je um 15 Uhr, 4 Euro) die Möglichkeit, mehr über die Rathausnachbildung zu erfahren.
Weitere Informationen zur Arbeit am Nachbau des Rathauses auf der Webseite des Künstlers Patrick Kosog.

