Obergasse 11 – Ein Stück Alsfelder Geschichte
Das Haus in der Obergasse 11 erzählt ein Stück Alsfelder Stadtgeschichte. 1965 erwerben Dieter und Gisela Müller vom Schuhhaus Müller in der Mainzer Gasse 6 dieses traditionsreiche Geschäftsgrundstück. Bereits zwei Jahre später, 1967, erfolgte ein Umbau, der in denkmalpflegerischer Hinsicht als vorbildlich gilt. Das historische Fachwerk des Hauses wurde freigelegt, seine charakteristischen Strukturen restauriert und so sichtbar gemacht – ein Umbau, der Maßstäbe für die Altstadtsanierung in Alsfeld setzte und beispielhaft für den sensiblen Umgang mit historischen Bauten steht.
Besonders spannend ist die innere Gestaltung des geräumigen Ladenteils im Erdgeschoss. Hier galt es, mit möglichst wenig Stützen auszukommen, um somit einen modernen Sichtladen zu schaffen.
1967 eröffnet der Alsfelder Schuh-SB. Nach dem Motto „Sichtbar! Greifbar! Schnell! … und preiswert“ konnten Kundinnen und Kunden Schuhe eigenständig auswählen – eine Selbstbedienung, die damals noch eine echte Innovation darstellte. Jedes Paar war erschwinglich, mit Preisen unter 30 Mark, und machte den Laden schnell zu einem beliebten Anlaufpunkt in der Altstadt.
Ein besonders bemerkenswertes Detail des Umbaus ist die Freilegung einer historischen Inschrift – die älteste bekannte erhaltene Inschrift eines Alsfelder Fachwerkhauses. Sie erlaubt eine Datierung der ursprünglichen Teile des Gebäudes auf die Jahre 1470 bis 1479 und macht das Haus zu einem wichtigen Zeugnis der Alsfelder Baugeschichte.
Heute verbindet das Gebäude in der Obergasse 11 historische Substanz mit zeitgemäßer Nutzung: Familie Müller verpachtete die Geschäftsräume ab 1999 an die Firma „Neusehland Brillen und Hörgeräte“. Das Haus bleibt so ein lebendiger Teil der Altstadt, in dem Vergangenheit und Gegenwart auf besondere Weise sichtbar werden.

