Schuhe, Schuhe und nochmals Schuhe: die Mainzer Gasse 6

Seit fast 350 Jahren dreht sich in der Mainzer Gasse 6 in Alsfeld alles um den Schuh. Mit Beginn der industriellen Schuhherstellung wurde 1880 von Jakob Müller dem Handwerk ein Schuhgeschäft angeschlossen. Das Handwerk wurde 1925 nach dem Tod des Meisters eingestellt.

Nach zweihundert Jahren im Schuhgeschäft der Maßanfertigungen stehen ab 1890 die ersten, industriell produzierten Schuhe im neu eröffneten Ladengeschäft, seitdem dann auch unter dem Namen Müller, direkte Nachfahren der Weiffenbachs, die die Manufaktur zuvor betrieben.

1973 wurde das Fachwerk unter der verputzten Fassade freigelegt. Der Grafiker Willi Weide gestaltete die Fassade mit Sgraffiti rund um das Thema Schuh.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden viele Künstler, deren Häuser in anderen Städten ausgebombt wurden, Zuflucht in der Hausnummer 6 bei Familie Müller. Ein Gästebuch aus der Zeit ist stiller Zeitzeuge.

Die sogenannte Länge zwischen der Hausnummer 6 und 8, also der Zugang zum rückwärtigen Teil des Hauses und des Wohngebäudes, ist im Laufe der Jahrzehnte zugebaut worden. Dadurch bot sich die Gelegenheit, die Verkaufsfläche auszudehnen. Anfang der 60 Jahre nutzte die Familie Müller das gepachtete Ladengeschäft in der Hausnummer 8 für ihre besonders modischen Fußmoden.

Über Generationen hinweg ist das Schuhhaus Müller in Familienbesitz und erst mit dem Ruhestand von Gisela und Dieter Müller 1995 endete diese Tradition. Seitdem ist das Geschäft verpachtet, trägt jedoch weiterhin voller Stolz den Namen Schuh Müller.