Von Druckerschwärze und Seufzerbrücke – die Geschichte der Schaufußgasse 7
Häuser können reden – man muss nur genau hinschauen. Das Gebäude in der Schaufußgasse 7 erzählt gleich mehrere spannende Kapitel Stadtgeschichte. Auf den ersten Blick wirkt es wie ein gewöhnliches Wohnhaus, doch beim Umbau kamen erstaunliche Spuren seiner Vergangenheit ans Licht.
So befand sich im 1. Obergeschoss einst eine Druckerei. An den Wänden waren noch während des Umbaus Reste von Druckerschwärze zu erkennen, als hätte man erst gestern die Maschinen abgestellt. Im Dachboden hing auf schwerem Gebälk eine massive Seilwinde, mit der Papierrollen nach oben gezogen wurden. Durch Klappen in den Decken wanderte das Material bis ins oberste Stockwerk – und von dort über eine Brücke hinüber in die Obergasse 12. Dort wurden die frisch bedruckten Bögen im Erdgeschoss-Laden direkt verkauft. Besagte Brücke kennt man übrigens heute als die „Alsfelder Seufzerbrücke“ – und sie ist längst ein beliebtes Fotomotiv.
Auch sonst ist das Haus ungewöhnlich: einen Keller gibt es nicht, stattdessen befanden sich im Erdgeschoss früher Stallungen. Erbaut wurde es als Doppelhaus, was sich heute noch im Kataster zeigt – dort sind die Parzellen Schaufußgasse 7 und 9 vermerkt. Jeder Teil hatte seinen eigenen Eingang: einmal giebelseitig von der Schaufußgasse aus, einmal über ein angebautes Treppenhaus ins Erd- und Obergeschoss.
Besonders eindrucksvoll ist die alte Balkeninschrift der Bauherren Johann Eberhart Biedenkapp und Johann Caspar Schmidt. Sie verkündeten voller Gottvertrauen im Jahr 1750:
„Johann Eberhart Biedenkapp und Johann Caspar Schmidt haben Gott vertraut und haben diesen Bau erbaut Anno MDCLL, ens Tag Junius, Soli Deo sit Gloria in sempit Terna secula „
Bei der Sanierung wurde zudem ein Brauerstern freigelegt – das Zunftzeichen der Bierbrauer – das dem Davidstern optisch sehr ähnlich ist. Ob hier allerdings tatsächlich Bier gebraut wurde oder ob lediglich ein Brauer im Haus wohnte, bleibt offen und macht die Geschichte des Hauses nur umso geheimnisvoller.
Von 2019 bis 2020 wurde das Haus mit viel Eigenleistung und Liebe zum Detail saniert. Heute erstrahlt es hell und freundlich, bietet modernen Wohnraum – und hat sich dabei trotzdem seine spannende Vergangenheit bewahrt.

